Die Jahre von 1870 bis 1918

Am 30. Dezember 1869 fand die erste Plenarversammlung statt, die von 50 Mitgliedern besucht wurde. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch Beamte zu den Mitgliedern gehörten. So gehörte Oberamtsarzt Dr. Schmid längere Zeit dem Ausschuss und der Kontrollkommission an. Auch aus den Nachbargemeinden, sogar von Alfdorf, wurden viele Bürger Mitglied. Die Zahl der Mitglieder wuchs langsam aber stetig.

Nach den ersten Jahren der Aufwärtsentwicklung kam es zu einem Stillstand. Aus dem Protokoll aus dem Jahre 1873 ist zu lesen, dass die Kontrollkommission vor der Generalversammlung den Jahresabschluss nicht geprüft hatte. Von der Kontrollkommission wurde verlangt, öfters einen Kassensturz vorzunehmen. 

Ab Ende der 1870er Jahre wurden die Generalversammlungen nicht mehr regelmäßig abgehalten. 

Trotzdem gewann die Bank immer mehr an Bedeutung.

Dies zeigt der Gesamtumsatz:

1871      35.315 Gulden

1872      37.048 Gulden

1874      62.268 Gulden

1877      219.237 Mark (dies entspricht 157.055 Gulden)

Der Umsatz erreichte um die Jahrtausendwende 1 Million Mark.  

Kassier Kaufmann Zweigle

Im Jahre 1871 konnten bereits 6 % Dividende an die Mitglieder ausgeschüttet werden.
Die Bilanzsumme betrug 1887: 231.554,74 Mark.

1889 wurde die Gewerbebank neu konstituiert und gleichzeitig in Handwerkerbank eGmuH (= eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung) umbenannt. 

Die Kredite, die die Handwerkerbank an die Kunden ausgegeben hat, wurden in dieser Zeit durch Bürgschaften gesichert. Erst ab dem Jahr 1908 wurden Hypotheken zur Absicherung von Krediten verwendet. 

In dieser Zeit begann die Volksbank Welzheim, auch Spareinlagen von Mitgliedern anzunehmen.

Für die Bank von großer Bedeutung war der Eintritt von Kaufmann Zweigle als Kassier im Jahr 1886. Er führte in mustergültiger, sachverständiger und gewissenhafter Weise die Geschäfte der Bank von 1884 bis 1924 zuerst in seinem Haus in der Wilhelmstraße 22 und später Ecke Bahnhof- und Brunnenstraße (heute Haus Reichl).

Weitere verdiente Persönlichkeiten der Gewerbebank bzw. Handwerkerbank vor und um die Jahrhundertwende waren:

Der erste Weltkrieg 1914-1918 brachte für die Handwerkerbank einschneidende Änderungen mit sich. Im Protokoll der Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat vom 1. August steht, dass während der Sitzung die Kirchenglocken die Kriegserklärung verkündeten. 

Bereits während der Kriegsjahre entstand ein Mangel an Zahlungsmitteln, so dass von vielen Stellen Notgeld herausgegeben werden musste. Die Ausgabe beschränkte sich auf Scheidemünzen: Diese Münzen wurden im Nennwert von 5, 10 und 50 Pfennig geprägt. 

Das 50-jährige Jubiläum der Bank konnte im Jahr 1918 aufgrund des Krieges nicht gebührend gefeiert werden (so wie in der Beilage 47 des „Bote vom Welzheimer Wald“ angekündigt).