Die Jahre 1918 bis zur Währungsreform 1948

Es ist schwer vorstellbar, was in den Jahren nach dem Ende des 1. Weltkrieges geschah. Was in den langen Jahren aufgebaut, mühsam angespart und besonders bei älteren Leuten als Rücklage gedacht war, ging durch die vier Jahre Krieg mit anschließender Inflation fast restlos verloren.

Während am 31. Januar 1919 ein Brief noch 0,15 Mark Porto kostete, war das Briefporto am 3. November 1923 bereits bei 100.000.000 Mark.

Um die Inflation in den Griff zu bekommen, wurde am 15. November 1923 die Papiermark durch die Rentenmark (wertgleich mit der späteren Reichsmark) ersetzt (1 Billion Mark = 1 Rentenmark).

Anzeige im „Boten vom Welzheimer Wald“ vom 21. September 1923

In dieser Zeit konnte die Reichsdruckerei aufgrund der schnellen Geldentwertung die fertiggestellten Tausender nicht mehr in Umlauf bringen, da es für einen solchen Schein nichts mehr zu kaufen gab. So wurden, um schnell zu neuen, höherwertigen Geldscheinen zu kommen, einfach die Scheine mit dem Aufdruck „Eine Milliarde Mark“ versehen. Auch unsere Handwerkerbank schlitterte in eine existenzbedrohende Krise. 

Kassier Zweigle wollte nach 37jähriger erfolgreicher Tätigkeit als Kassier sein Amt altershalber abgeben. Allerdings fand sich kein Nachfolger.

Anzeige im „Boten vom Welzheimer Wald“ vom 19. Oktober 1923

Nachdem in der außerordentlichen Generalversammlung am 30. September die zur Beschlussfassung nötige Anzahl von Mitgliedern nicht erschienen ist, wurde zu einer zweiten Generalversammlung mit der gleichen Tagesordnung auf Sonntag, 28. Oktober 1923 eingeladen.

Am 6. Juli 1924 übernahm dann Kaufmann Hermann Lohß den Posten des Kassiers.

Der Kassenbestand am Tag der Übergabe betrug 44,79 Mark. Dieser Betrag wurde dem bisherigen Kassier Zweigle als Belohnung überlassen.

Die Bank war durch die Inflation mittellos geworden.

Im Protokoll steht dazu: „Wir haben in der Hauptversammlung der Handwerkerbank den Eindruck gewonnen, dass den Leiter der Handwerkerbank an der durch das über Deutschland hereingebrochene nationale Unglück verursachten Geldentwertung keinerlei Schuld trifft. Wir sind eben genötigt, wieder von vorne anzufangen und möchten dazu sagen, dass nur durch treues Zusammenhalten der Mitglieder der Handwerkerbank ihre Aufgaben zum Wohle des Bürgerstandes erfüllen kann.“ 

Zu gleicher Zeit wurde die Bank von einer „Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung“ in eine solche „mit beschränkter Haftung“ umgewandelt. Damit hafteten die Mitglieder nicht mehr mit ihrem ganzen Vermögen für die Verbindlichkeiten der Bank. 

Ab der Schließung der Bankfiliale Hahn im „Bären“ im Jahr 1925 ging es wieder aufwärts. 

Im Jahr 1926 wurde aus der Handwerkerbank eine Handwerker- und Landwirtschaftsbank Welzheim eGmbH. 

Der 13. Mai 1927, der sogenannte „schwarze Freitag“, zeigte, dass die Schäden und Folgen des verlorenen 1. Weltkrieges noch lange nicht überwunden waren.  

Im Jahr 1931 offenbarte sich dann die Krise in vollem Umfang. Vor dem Krieg hatte Deutschland im Ausland über 20 Milliarden Mark investiert, im Jahr 1931 waren die Schulden Deutschlands auf über 29 Milliarden angewachsen. Die Wirtschaftskrise in Deutschland erreichte ihren Höhepunkt.

Die Zahlungsunfähigkeit vieler Unternehmen und die massenhafte Arbeitslosigkeit verursachten soziales Elend und bereiteten den Nährboden für politische Krisen.

Neuer Auftrieb unter hauptamtlicher Leitung

Paul Kauz, hauptamtlicher Kassier

1928 wurde Paul Kauz als hauptamtlicher Kassier eingestellt, da Kaufmann Lohß nicht mehr die Zeit aufbringen konnte, neben seinem Geschäft auch die Geschäfte der Bank zu führen.

Die Bilanzsumme betrug damals rund 100.000 Reichsmark.

Herr Kauz errichtete in Kaisersbach eine neue Zweigstelle und nahm den Scheck- und Überweisungsverkehr mit auf. 

Seit 1868 machte der jeweilige Kassier die Geschäfte der Bank nebenberuflich in den eigenen Geschäfts- bzw. Privaträumen.

Am 1. September 1932 wurde das Banklokal in das Erdgeschoß des Hauses Leypoldt am Kirchplatz verlegt. Herr Leypoldt war zu dieser Zeit Aufsichtsratsvorsitzender. 

1934 wurden erstmals eigene Geschäftsräume in Hause Leypoldt angemietet.

Haus Leypoldt (Bild: Archiv der Volksbank Welzheim)

1933 haben die Nationalsozialisten die Macht übernommen. Die gesamte Bankwirtschaft wurde der deutschen Zentralbank, der Reichsbank, unterstellt. Die NS-Wirtschaftsführung gab der freien Kapitalbildung keinen Raum mehr. Mit überdimensionaler Geldschöpfung wurde die Arbeitslosigkeit gemindert bzw. fast beseitigt. Die Wirkung auf die Masse des Volkes war erklärlich. Auch die Wirtschaft ließ sich blenden.

Auf dem Programm der Reichsregierung stand die Arbeitsbeschaffung an oberster Stelle. Später die Aufrüstung um jeden Preis. 

1936 wurde bei der Volksschule Welzheim das Schulsparen eingeführt. Aufgrund vorhandener Personalschwierigkeiten wurde im Jahr 1937 eine rechnende Buchungsmaschine angeschafft. Die Bilanzsumme stieg auf 620.000 Mark. 

Trotz dieser Verbesserungen war der Welzheimer Wald im Vergleich zu anderen Landesteilen Notstandsgebiet. Es gab nur Handwerk, Handel sowie Land- und Forstwirtschaft. Neben der Firma Chr. Bauer, der Firma F.W. Munz gab es nur die Holzindustrie in Welzheim.

Im Jahr 1937 begann in Welzheim der wirtschaftliche Aufschwung. Gottlob Bauknecht eröffnet Werk II Klingenmühle und kurz danach in Welzheim Werk III. Die Einwohnerzahl stieg von 3.000 auf 5.000. 

Im Zuge der gewünschten Vereinheitlichung des Genossenschaftswesens entstand am 3. März 1940 die neue Bezeichnung „Volksbank Welzheim eGmbH“. 

Am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Mit Kriegsbeginn erhöhte sich der Finanzbedarf enorm. Die Kriegskosten wieder über Kriegsanleihen wie im 1. Weltkrieg zu finanzieren, war fast unmöglich, nachdem die Bevölkerung durch die vollständige Entwertung der Kriegsanleihen schlechte Erfahrungen gemacht hatte. 

Aktivseite der Bilanz der Volksbank Welzheim zum 20. Juni 1948

Sämtliche Banken, Sparkassen und Versicherungen wurden verpflichtet, Staatsanleihen zu zeichnen oder Kredite an den Staat zu geben, um die Kosten des Krieges bestreiten zu können. Auch die Volksbank Welzheim blieb vor diesen Maßnahmen nicht verschont.

Die Bevölkerung spürte von diesen Vorgängen wenig (sog. Geräuschlose Kriegsfinanzierung). Durch den Lohn- und Preisstopp wurde Geldwertstabilität vorgetäuscht. Da es nicht genügend Waren zu kaufen gab, wurde das überschüssige Geld bei den Banken angelegt (Aktion Eisernes Sparen) und konnte so durch den Staat wieder abgeschöpft werden. Dieser Kreislauf funktioniert allerdings nur bis Mitte 1943.

Der Staat stieg um auf die Finanzierung durch die Notenpresse, also das Drucken von Banknoten. Dies führte zu einer hohen, versteckten Inflation. 

Nach dem totalen politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruch im Jahre 1948 lag Deutschland am Boden. Die Zeit von 1945 bis zum 20. Juni 1948 , in der die Zwangswirtschaft fortgeführt wurde um die Grundversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, führte im Laufe der Zeit zu unhaltbaren Zuständen.

Passivseite der Bilanz der Volksbank Welzheim zum 20. Juni 1948

Die Preise für die notwendigen Artikel des täglichen Bedarfs lagen unter ihrem realen Wert. Dies führte zur Warenhortung, zum Tauschhandel und zum Verkauf unter der Theke. Der Schwarzhandel blühte. Es war dringend notwendig, eine tiefgreifende Änderung (Stichwort Währungsreform) herbeizuführen, damit Betrug, Diebstahl und Korruption nicht noch weiter um sich greifen konnten.

Die Bilanzsumme der Volksbank Welzheim stieg in der Zeit vom 1. Januar 1948 bis zum 20. Juni 1948 von 4,7 auf 6,1 Millionen Reichsmark. Die Einlagen einschl. Spareinlagen nahmen von 4,4 auf 5,8 Millionen Reichsmark zu, während die Debitoren von 114.634 RM auf 24.580 RM zurückgingen. Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich erfreulicherweise von 372 auf 385. 

In den Erläuterungen zum Geschäftsbericht über das 81. Geschäftsjahr vom 1. Januar bis 20. Juni 1948 steht: „Mit der Bekanntgabe dieser Zahlen ziehen wir einen Schlussstrich unter die unselige Reichsmarkzeit, nicht ohne jedoch ausdrücklich festzustellen, dass die Aufblähung des ganzen Geldapparates außergewöhnliche Anforderungen an die einzelnen Betriebsangehörigen stellte, wofür wir an dieser Stelle für die willige, fleißige und verantwortungsbewusste Mitarbeit danken.“