21. Juni 1948 bis zum Jahr 1965 – Währungsreform und Wiederaufstieg

Aktivseite der DM-Eröffnungsbilanz der Volksbank Welzheim zum 21. Juni 1948

Man rätselte, aber keiner wusste den genauen Zeitpunkt, wann die Währungsreform kommen sollte, bis dann der 21. Juni 1948 die „Deutsche Mark“ brachte. Es wurde das sogenannte „Kopfgeld“ ausgegeben. Jeder erhielt 40 DM in bar. Bargeld und letztlich auch Sparguthaben wurden zum Kurs 100 RM zu 6,50 DM umgetauscht.

Die DM-Eröffnungsbilanz der Volksbank Welzheim am 21. Juni 1948 hatte eine Bilanzsumme von 415.583,45 DM. Dieser Betrag entspricht ungefähr 6,76 % der Bilanzsumme der RM-Schlussbilanz. Der Kassenbestand betrug 41,97 DM. 

Der Vorstand bemerkte in seinem Bericht zu den Einlagen in Höhe von 356.255,35 DM folgendes: „Das Zusammenschmelzen von nahezu 6 Millionen Reichsmark früherer Einlagen, die doch zu einem erheblichen Teil aus Vorkriegsersparnissen bestanden, auf diesen kleinen Betrag zeigt drastisch, dass die für die Gesundung unseres Wirtschaftslebens unentbehrliche Währungsreform allzu schematisch, rigoros und unsozial gerade die Kleinen und Schwachen enteignet hat.“ 

Die Geschäftsguthaben wurden im Verhältnis 10:1 umgestellt, der Geschäftsanteil auf DM 500 (bisher RM 500) erhöht.

Passivseite der DM-Eröffnungsbilanz der Volksbank Welzheim zum 21. Juni 1948

Der Wiederaufbau von diesem Zeitpunkt an war schwer, aber stetig und gesund. Wesentlichen Anteil an dieser günstigen Entwicklung in Welzheim hatten die Welzheimer Industrie-Unternehmungen. Die Firma Bauknecht – allein in Welzheim mit über 2.000 Beschäftigten – konnte die Produktion ständig ausweiten. Die Firma Chr. Bauer KG, bereits 1880 in Welzheim gegründet, errang sich eine führende Position in der Schmuckwarenbranche und in der Tellerfederfertigung. Die Firma Oertel & Co. – ein nach dem Kriege neu angesiedeltes bekanntes Unternehmen der Glaswarenindustrie – schuf weitere Arbeitsplätze. Die Hauptproduktion der bereits 78 Jahren alten Firma F.W. Munz & Co. bestand aus Hand- und Pritschenwagen sowie Rodelschlitten; aber auch eine Maschinenbauabteilung wurde angegliedert.

Im Jahre 1952 verstarb plötzlich das Vorstandsmitglied Paul Kauz im Alter von erst 47 Jahren. Er war insgesamt 24 Jahre Vorstand der Volksbank Welzheim. Auf seine Initiative hin wurde bereits im Jahr 1950 das Gebäude Wilhelmstraße 25 vom Staatsrentenamt gekauft, um die Bank in eigenen Räumen unterzubringen. Im September 1952 wurde dann das renovierte Gebäude in der Wilhelmstraße bezogen. 

Noch im Jahr 1952 wurde Herr Otto Marquardt zum ehrenamtlichen Vorstand berufen. Er war hauptamtlicher Geschäftsführer der Molkerei Welzheim eGmbH und verstarb am 1. Mai 1972.

Am 1. Januar 1953 nahm der neue Bankvorstand Karl Eisinger seine Tätigkeit auf. Er reorganisierte den Betriebsablauf nach neuen Gesichtspunkten und setzte frische Impulse.

Bereits zwei Jahre später, am 1. Januar 1955, wurde Albert Glass neuer Vorstand der Volksbank Welzheim, nachdem Herr Eisinger zu einer größeren Genossenschaftsbank gewechselt hatte.

1956 beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat, eine Nachttresoranlage einzubauen, damit die Geschäftsleute auch nach Schalterschluss das vereinnahmte Geld in die sichere Obhut geben konnten.

Auch wurde eine Buchungsmaschine mit mehreren Rechenwerken angeschafft, um die steigende Zahl von Buchungsposten schneller abarbeiten zu können.

1958 wurden Agenturen in Birkhof, Burgholz, Rienharz und Breitenfürst eröffnet.

Übersicht der Zahlstellen der Volksbank Welzheim im Jahr 1958
v.l.n.r.: Otto Hudelmaier, Martha Klunzinger, Sofie Hirzel, Lydia Österle, Annemarie Liss (ab 1.4.1968 Nachfolgerin von Frau Rapp), Oskar Wiedmaier (Bild: Archiv der Volksbank Welzheim)
Gasthaus Metzgerei zum Hirsch (Bild: Archiv Alt-Welzheim, Foto Kühnle)

Die Bilanzsumme stieg von 415.000 DM im Jahr 1948 auf 4.055.000 DM im Jahr 1959, die Gesamteinlagen von 356.000 DM auf 3.563.000 DM, die Ausleihungen von 416.000 DM auf 2.035.000 DM. Im Jahr 1959 hatte die Volksbank bereits 611 Mitglieder.

Das bedeutete für die Volksbank, dass die Geschäftsräume in der Wilhelmstrasse aus allen Nähten platzten. Der Ausbau des ersten Stockwerks scheiterte an baulichen Schwierigkeiten.

Auf Initiative des damaligen Aufsichtsrats, Herrn Paul Hagner, und nach langen Diskussionen im Aufsichtsrat beschloss man, das alte Gebäude „Gasthaus und Metzgerei zum Hirsch“ am Oberen Marktplatz, heute Gottlob-Bauknecht-Platz, zu kaufen, abzureißen und durch ein neues, modernes Bankgebäude zu ersetzen. Bei der Größe der Bank war dies ein mutiger, zukunftsweisender Schritt.

Am 9. April 1960 wurde das neue und moderne Bankgebäude seiner Bestimmung übergeben. Damit begann für die Volksbank Welzheim ein neuer Abschnitt in ihrer Geschichte.

Hauptstelle der Volksbank Welzheim am Gottlob-Bauknecht-Platz 5 in Welzheim (Bild: Archiv Alt-Welzheim, Foto Kühnle)
Hauptstelle Welzheim Schalterhalle (Bild: Archiv der Volksbank Welzheim)

Der Vorstand der Volksbank Welzheim wird unter den „alten“ Welzheimern auch als „der Hirschwirt“ bezeichnet.

Zum Anwesen vom Gasthaus zum Hirsch gehörte auch der Hirschkeller am Ende des Hirschkellerweges, der für 1 € im Jahre 2008 an die Familie Becker, deren Haus auf dem Hirschkeller steht, verkauft.

Im Hirschkeller wurde Anfang des 20. Jahrhunderts Eis gelagert, das im Winter im Feuersee ausgesägt wurde. Im Sommer konnte das Eis zur Kühlung von Getränken usw. verwendet werden.

Damals hatten viele Wirtschaften in Welzheim besondere Keller, so z.B. auch große Keller in der Untermühlstraße beim „Stern-Wirt“, der früher zum Gasthaus zum Stern gehörte. 

Die Schalterhalle der neuen Volksbank Welzheim wurde nach den Bedürfnissen der Kunden eingerichtet und die Arbeitsabläufe optimiert.

Am langen Tresen konnten mehrere Kunden gleichzeitig bedient werden. Die Kasse war hinter dem Panzerglas untergebracht. Unter dem Tresen lief ein Band, mit Hilfe dessen z.B. Ein- und Auszahlungsbelege, Sparbücher usw., in einer Folientasche verpackt, in den Kassenraum befördert wurden. 

Das neue Gebäude gab der Entwicklung der Volksbank Welzheim neuen Auftrieb. Die Bilanzsumme, die im Jahr 1959 noch bei 4.055.000 DM lag, stieg von 6,25 Millionen im Jahr 1961 und auf 7,58 Millionen DM im Jahr 1962 an. Die Bilanzsumme überschritt die 10 Millionen-Grenze im Jahr 1965.

Im Jahr 1967 konnte das 1.000ste Mitglied begrüßt werden. 

Um die Verarbeitung der ständig zunehmenden Geschäftsvorfälle besser gewährleisten zu können, wurde ein Lochkartenlocher angeschafft. Die Lochkarten wurden wöchentlich zur Firma Bauknecht in Welzheim gebracht, die die Geschäftsvorfälle mit ihrer Datenverarbeitungsanlage verbuchte und die Auswertungen der Volksbank zur Verfügung stellte. 

Am 31. März 1963 schied Hermann Lohß als ehrenamtlicher Vorstand aus, nachdem er dieses Amt seit 1924 begleitet hatte. Zuvor war er von 1918-1924 Aufsichtsrat. Er wurde am 9. April 1963 Ehrenvorsitzender der Volksbank Welzheim. Hermann Lohß verstarb 1968 kurz nach dem 100jährigen Jubiläum und war damit 50 Jahre in verschiedenen Ämtern der Volksbank Welzheim tätig.

Neuer ehrenamtlicher Vorstand wurde Herr Karl Riedel, der zuvor das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden innehatte. 1963 verstarb Karl Riedel.

Neues stellvertretendes Vorstandsmitglied wurde am 12. April 1964 Herr Heinz Strohmaier. Er begleitete dieses Amt bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1999. Heinz Strohmaier begann seine Lehre zum Bankkaufmann im Jahr 1950 bei der Volksbank Welzheim.

Zum ehrenamtlichen Vorstand wurde 1966 Herr Paul Hagner, Glasermeister und Stadtrat, berufen. Er war seit 1953 Mitglied des Aufsichtsrats und von 1963 ab deren Vorsitzender. Er schied als ehrenamtlicher Vorstand 1977 aus.