Gründung der Volksbank Welzheim im Jahr 1868

Situation im 19. Jahrhundert

Anzeige im „Boten vom Welzheimer Wald“ 1868

Anfang des Jahrhunderts, im Jahre 1816 beispielsweise, kam es im Königreich Württemberg zu verheerenden Missernten und zu einer Hungersnot, dass sogar Hunde und Katzen verspeist werden mussten. Das Königreich Württemberg gehörte damals zu den sehr armen Ländern in Europa. Es war überwiegend von der Landwirtschaft geprägt. Bodenschätze waren kaum vorhanden.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann die Industrialisierung. Auch das Handwerk und kleinere Unternehmungen benötigten zusätzliches Kapital, um mit der fortschreitenden Industrialisierung mithalten zu können. Da entsprechende Banken fehlten, wurden private Geldgeber gesucht.

Anzeige im „Boten vom Welzheimer Wald“ vom 12.9.1868

Während in vielen Orten die Not bei der Umsetzung der genossenschaftlichen Idee Pate stand, war die Gründung der Gewerbebank in Welzheim eine Tat der wirtschaftlichen Vernunft.

Die hiesigen Kaufleute, Handwerker und Landwirte, unterstützt von aufgeschlossenen Beamten, hatten erkannt, dass die gemeinsame Schaffung der finanziellen Grundlagen durch alle Beteiligten eine unbedingte Voraussetzung für das Wohl aller darstellte.

Wo war der Plappsche Garten in Welzheim?

Der Name Plapp ist im heutigen Welzheim völlig unbekannt, so dass kein Anhaltspunkt gegeben war, um festzustellen, wo die Gründung der Gewerbebank stattgefunden hat. Es wurde viel spekuliert!

Herr Richard Klotz, ehemaliger Konrektor der Bürgfeldschule Welzheim und angesehener Heimatforscher Welzheims hat in den Kirchenbüchern der evangelischen  Kirchengemeinde geforscht und herausgefunden, dass Georg Friedrich Plapp (1835-1910), angesehener Bürger und Kupferschmied, Wirt im „Gasthaus zur Krone“ in Welzheim war.

Georg Friedrich Plapp ist nach dem Tod seiner Frau Elisabeth im Jahr 1881, von Welzheim nach Schwenningen und dann nach Donaueschingen gezogen. Das Ehepaar, das 1862 geheiratet hat, hatte 14 Kinder, von denen 7 in jungen Jahren gestorben sind.

Die „Krone“ stand direkt neben dem Rathaus an der Stelle, wo sich heute der Ratssaal der Stadt Welzheim befindet. Die „Krone“ fiel in den 1970er Jahren einem Brand zum Opfer und wurde abgebrochen.

Welzheim Kronenstraße (Bild: Archiv Alt-Welzheim, Foto Kühnle)

Der Plappsche Garten muss südlich der „Krone“ gewesen sein. Genau dort, wo jetzt die neueren Gebäude des „Kronenladens“ stehen. Im südlichen Bereich des „Kronenladenareals“ stand früher auch das „Schloss der Grävenitz“ (deshalb auch Schlossgartenstraße).

Auszug aus dem Stadtplan von Welzheim aus dem Jahr 1831 (Bild: ARV Kurt Hinderer)

Gründung der Gewerbebank war am Sonntag, 13. September 1868

Die Gründung wurde durch Anfertigung des folgenden Protokolls und durch Unterschrift von 58 Welzheimer Bürgern vollzogen:

Auszug aus dem Gründungsprotokoll
Anzeige im „Boten vom Welzheimer Wald“ am am 25.10.1868

Bei der Gründungsversammlung wurden 6 Mitglieder in einen provisorischen Ausschuss gewählt, der unter anderem für die Aufstellung der Statuten zuständig war. Er soll über die Resultate seiner Beratungen und Beschlüsse in einer Generalversammlung berichten.

Jedes Mitglied musste 1 Gulden Beitrittsgeld zahlen.

Bereits 3 Wochen nach der Gründungsversammlung hat der provisorische Ausschuss zu einer „Generalversammlung“ am Sonntag, 4. Oktober 1868 in den „Gasthof zum Stern“ eingeladen.

An dieser Versammlung nahmen 118 Bürger teil, die Statuten wurden einstimmig genehmigt und es wurden „angesehene“ Bürger für die Verwaltung der neuen Gewerbebank gewählt:

Anzeige im „Boten vom Welzheimer Wald“ am Samstag, 3.10.1868
  • zum Vorstand: Stadtpfleger Munz
  • zum Kassier: Kaufmann Wilhelm Lohß
  • zum Schriftführer und Kontrolleur: Kaufmann Tag

 

In den Ausschuss wurden berufen:

  • Hauptmann Adlung
  • Seifensieder Schlegel
  • Stadtrat Bay
  • Kaufmann Beuttler
  • Posthalter Fritz
  • Stadtaccisor Munz

 

Ersatzmänner:                    

  • Apotheker Bilfinger
  • Kupferschmied Plapp
  • Konditor Hohly
Das Kaufhaus Lohß um 1870, erste Kassenstelle der Gewerbebank (Bild: Archiv der Volksbank Welzheim)

Am 1. November 1868 nahm die Gewerbebank ihre Tätigkeit auf. Die erste Kassenstelle war im Kaufhaus Lohß.

  • Jedes Mitglied bestimmte selbst die jährlich einzulegende Summe.
  • Kaufmann Lohß und Stadtpfleger Munz stellten 250 bzw. 300 Gulden zu 4,5 % Zins zur Verfügung.
  • Kaufmann Lohß erhielt im ersten Jahr eine Entschädigung von 15 Gulden, die Dienerin 4 Gulden.
  • „Die Dienerin der Bank, Karoline Fuchs, zieht pünktlich jeden Monat das Geld ein und bekommt dafür eine Ganggebühr von 2 Kreuzern.“
  • Anfangs war nur wenig Nachfrage nach Krediten. Die Bürger scheuten sich, „öffentlich“ Geld aufzunehmen. Der Einfluss der seitherigen Kreditgeber war enorm, Geld bei privaten Kreditgebern auszuleihen war damals keine Schande.
  • Der Zinssatz für auszuleihendes Geld betrug 6 % , der später auf 5 % ermäßigt wurde.
  • Im ersten Jahr betrug der Überschuss 44 Gulden. Dieser wurde in den Reservefonds eingestellt.